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Gaslaternen

Alle neun Gaslaternen auf dem Firmengelände der Energieversorgung Greiz GmbH – dem ehemaligen Städtischen Gaswerk Greiz – sind mit Gasglühlichtbrennern ausgerüstet.

In die Laternen sind Dämmerungsschaltersysteme eingebaut, die selbstständig bei Einbruch der Dunkelheit zünden und in der Morgendämmerung ausgehen. Diese Automatik wurde in den 60er Jahren entwickelt und löste damals in vielen Städten die bis dahin gebräuchlichen Druckwellen-Fernzünder ab, die es seit 1910 gab und die ebenfalls eine automatisierte Schaltung der Gaslaternen ermöglichten. Dämmerungsschalter bei Gaslaternen funktionieren nach folgendem Grundprinzip: Eine Fotozelle auf dem Laternendach meldet dem am Gasbrenner angebrachten Steuerungsteil, ob es gerade hell oder dunkel ist. So lange genügend Tageslicht herrscht, wird in der Fotozelle ein kleiner elektrischer Strom produziert, der das Steuerteil wissen lässt, dass soeben Tag ist und die Laterne auszubleiben hat. Wird es dunkel, so findet folglich in der Fotozelle (auch Lichtfänger genannt) keine Stromproduktion mehr statt und die Schaltelektronik weiß, dass es dunkel wird und die Laterne zu zünden ist.

evnachtDie Zündung erfolgt, indem das Steuerteil einem kleinen 1,5-Volt-Elektromotor einen Startimpuls gibt, sich in Bewegung zu setzen. Der Motor ist mit einem Gashahn mechanisch verbunden und öffnet auf diese Art und Weise den Hahn. Das Gas strömt in das Mischrohr. Dort vermischt sich Erdgas und Verbrennungsluft zu einem zündfähigen Gas-Luft-Gemisch. Dieses wird durch eine dauerhaft brennende Zündflamme entzündet, welche einen äußerst geringen Gasverbrauch aufweist. Nicht das Gas selbst dient als Leuchtmittel, sondern die Gasglühkörper („Glühstrümpfe“), die bei täglichem Betrieb eine Lebensdauer von ca. einem Jahr haben. Erfunden wurde das Gasglühlicht 1885 von dem österreichischen Chemiker Carl Auer von Welsbach, welches das viel schwächere einfache Gaslicht ablöste. In Greiz erfolgte die Einführung des Gasglühlichts 1891.

In Greiz gab es mit der Inbetriebnahme der Straßenbeleuchtung zunächst 107 Gaslaternen. Mitte der 30er Jahre war der Höchststand von rund 650 Gaslaternen in Greiz zu verzeichnen. Zwischen 1959 und 1962 erlosch die letzte Greizer Gaslaterne. Andernorts, wo die Gasbeleuchtung längst eingestellt war, schaffte man sich für einige besondere Straßenzüge nach 1990 wieder neue, im alten Stil nachgefertigte, echte Gaslaternen für die öffentliche Straßenbeleuchtung an. Auch in anderen Städten brennen heute noch Gaslaternen im tagtäglichen Betrieb, wie z.B. in Zwickau, Chemnitz oder Dresden.

In Greiz leuchtete die erste Gaslaterne, seit zirka 1960, im Jahr 1996 wieder auf, als die Energieversorgung Greiz GmbH die letzte erhaltene originale Greizer Gaslaterne vor ihrem Verwaltungsgebäude aufstellte. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Gasversorgung und Gasbeleuchtung in Greiz, am 18. November 2008, und – nicht zuletzt – im Vorgriff auf das 800-jährige Stadtjubiläum 2009 wurde der Gaslaternenbestand auf dem Firmengelände der Energieversorgung Greiz GmbH um weitere acht alte, komplett restaurierte Gaslaternen aufgestockt. Nunmehr erhellen insgesamt neun wunderschöne „alte, neue“ Gaslaternen Nacht für Nacht den Betriebshof der EV Greiz mit ihrem ästhetisch-gelbwarmen Licht. Damit verschönert die Energieversorgung Greiz GmbH nicht nur ihren eigenen Unternehmenssitz, sondern leistet vor allem auch – auf freiwilliger Basis – einen wichtigen und wertvollen Beitrag zum Erhalt und zur Erinnerung an ein bedeutendes Stück Greizer Stadtentwicklungs- und Industriegeschichte. Ob auch im öffentlichen Straßenraum der Stadt Greiz wieder einmal einige echte Gaslaternen für Beleuchtung sorgen werden?